The Shipwreck

The Shipwreck

Thomas Rowlandson
The Shipwreck, 1814
Aus: The English Dance of Death in Twenty-four Monthly Numbers, from the Designs of Thomas Rowlandson, accompanished with Metrical Illustrations, by the Author of 'Doctor Syntax' […] London: Printed by J. Diggens, St. Ann's Lane; Published at R. Ackermann's Repository of Arts […]
Kolorierte Aquatintaradierung
12 x 21,5 cm

00:00 / 01:30

Wird vorgetragen von Sarah Boudaroui

Das Werk "The Shipwreck" von dem englischen Karikaturisten Thomas Rowlandson wurde ebenfalls in seiner Totentanzfolge "The English Dance of Death" mit 72 kolorierten Aquatintadarstellungen von 1817 veröffentlicht.
In "The Shipwreck" ist nicht die hohe See Schauplatz des Ereignisses, sondern eine kleine Einbuchtung an einer hohen Felswand am Ufer. Zwei gestrandete Matrosen in zerfetzten Klamotten, sitzen nebeneinander im Sand und schauen völlig verzweifelt aus. Links im Bild sind nur noch die Masten eines Schiffs im Wasser zu sehen, das vermutlich von einem fürchterlichen Sturm gegen die Klippen geschleudert wurde. Schnell wird hier klar, dass die beiden einsamen Männer Teil der Schiffsbesatzung waren und sich wohl als einzige Überlebende ans Ufer retten konnten, während die restliche Besatzung ihr Grab in der Tiefe des Meers gefunden hat. Sie müssten sich eigentlich ihres Überlebens freuen, wenn sie nicht von dem steilen Felshang und dem unendlich scheinenden Meer umgeben wären. Ihre Lage scheint ausweglos zu sein. Neben ihnen liegen lediglich eine Axt, eine Holztruhe, ein Fass und ein großes Stück Holz. Es sind vermutlich Überreste des untergegangenen Schiffs.
Rowlandsons Totentanzfolge wird begleitet von Versen des englischen Schriftstellers William Combe, der den Abbildungen jeweils einen in Versform verfassten Text zur Seite stellt. Bei "The Shipwreck" läßt Combe zunächst die beiden Matrosen miteinander sprechen, bevor der Tod antwortet. Während der Mann in blauen Klamotten sein Schicksal scheinbar längst hingenommen hat, erinnert sich sein Kollege wohl an seine zurückgelassene Frau, die ihn vermutlich nie wieder sehen wird. Gegenüber von den beiden Männern, auf einem Felsbrocken, sitzt der personifizierte Tod. Entspannt stützt er seinen Kopf auf seine Hände und schaut den beiden Matrosen in ihrer Ausweglosigkeit und Verzweiflung zu. Vielleicht hat er sie mit Absicht nicht im Meer ertrinken lassen, weil er sich an ihrem Leid noch eine Weile ergötzen wollte. Schrecklich mit anzusehen, dass die beiden Matrosen ein solch schlimmes Schiffsunglück überlebt haben, um am Ende doch dem Tod gegenüberzusitzen.