See-Sturm

See-Sturm

Johann Melchior Füssli (Erfinder der Komposition)
See-Sturm, 1731
Aus: Physica Sacra
Kupferstich
Blatt: 39 x 24,4 cm, Platte: 32,5 x 21,4 cm

00:00 / 01:24

Wird vorgetragen von Paul Roßmy

Der Kupferstich "See-Sturm" ist Teil der 1731 von Johann Jakob Scheuchzers publizierten Kupfer-Bibel "Physica Sacra", in der biblische Szenen unter Einbezug naturkundlicher Kenntnisse dargestellt wurden. Die Vorlagen für die Kupferstiche zeichnete der Züricher Johann Melchior Füßli (1671–1736). Eingefasst werden die Darstellungen von allegorischen Bordürenrahmen des Nürnberger Künstlers Johann Daniel Preissler. Die Übertragung der Vorlagen in Kupfer geschah durch eine große Anzahl an Kupferstechern. Der vorliegende Stich kann durch seine Signatur dem Kupferstecher Johann Georg Pintz zugeordnet werden.
Das Werk wirkt auf dem ersten Blick sehr dynamisch und dunkel. das Meer wird von dem starken Sturm völlig aufgewühlt, sodass die hohen Wellen in alle Richtungen schlagend die Meeresoberfläche bedecken. Die dunklen Wolken reichen bis zum Horizont. Es ist kein Anzeichen für ein Ende des schlimmen Sturms zu erkennen. Inmitten der tobenden Wellen befindet sich ein Schiff, das mit den Fluten zu kämpfen hat. Durch den strömenden Regen und die aufwirbelnden Wellen ist bereits Wasser an Bord des Zweimasters gelangt. Die völlig hilflose Besatzung hat sich in der Mitte des Schiffs versammelt und schaut einem Mann im weißen Gewand zu, der über Bord gegangen ist und sich nun mit ganzer Kraft am Schiff festzuhalten versucht. Etwas weiter vorne im Bild ist ein großer Fisch zu erkennen, dessen Schnauze und Flosse aus dem Wasser ragen. Spätestens in Anbetracht des Bibelverweises (Jona 1,4) unter dem Bild wird klar, dass es sich hierbei um eine Interpretation einer Bibelgeschichte handelt, in welcher Jona in einem Sturm von Bord eines Schiffs in die Fluten fällt und von einem großen Walfisch verschluckt wird. Drei Tage gefangen im Bauch des Fischs verbrachte Jona mit Beten und Singen, bis er wie neu geboren am Ufer ausgespien wird. Mit neuer Glaubenskraft ging er von da an dem Auftrag des allmächtigen Gottes, den Untergang zu predigen, nach. Als typologisches Pendent zur Kreuzigung und Auferstehung Christi im Neuen Testament steht die Meerwurfszene Jonas im Alten Testament symbolisch für die Rettung der menschlichen Seele durch den christlichen Glauben.
Auffallend ist, wie klein die Handlung innerhalb des Bildes, dass von Meer und Horizont dominiert wird, dargestellt ist. Anschließend an die Bildtradition von Landschaftsdarstellungen des 16. Jahrhunderts, steht die Seelandschaft im Vordergrund und die biblische Szene erscheint als Beiwerk.
Der ornamental dekorierte Rahmen des Bilds zeigt unter anderem Windallegorien in Form von kräftig pustenden Männerköpfen und wurde von dem Nürnberger Kupferstecher Johann Daniel Preißler (1666–1737) angefertigt.