Im Meere

Im Meere

Hans Otto Schönleber
Im Meere, 1921/22
Aus: Ein Totentanz
Kupferstich
Blatt: 32 x 45,2 cm, Bild: 9,2 x 16,3 cm

00:00 / 00:59

Wird vorgetragen von Melina Settele

Das Werk "Im Meere" ist eines von zwölf Kupferstichen des Künstlers Hans Otto Schönleber, die er 1921/22 unter dem Titel "Ein Totentanz" in München veröffentlichte. Schönleber arbeitete vor seinem künstlerischen Schaffen 1914 bis 1918 als Arzt im Lazarett, wo er entsetzliche Dinge miterlebte die ihn zeitlebens begleiten sollten. Der Tod blieb ihm stets präsent, was vermutlich auch in seinen Totentanz einfloss.
"Im Meere" zeigt auf den ersten Blick die ruhige Szene eines Segelschiffs auf weiter See. Das Schiff segelt friedlich mit dem Sonnenauf- oder –untergang im Rücken. Der dunkle Himmel und das Meer trennen sich durch einen klaren Horizont im oberen Viertel des Bildes, wodurch ein Blick in die weite Ferne ermöglicht wird. Völlig still steht das Wasser, auf dem das Schiff in der Ferne zum nächsten Hafen steuert. Dieser scheint nicht mehr weit zu sein, so ist links im Bild schon eine Seemarke zu erkennen. Nach einer langen Reise auf hoher See ist es wohl ein schönes Gefühl, ohne Wellengang die scheinbar unendlichen Weiten des Meeres zu genießen. Doch ist das hier nur die Ruhe vor dem Sturm, denn im Bildvordergrund treibt auf der Meeresoberfläche eine skelettartige Gestalt. Es ist der Tod, der das Schiff in der Ferne erblickt hat und die Besatzung nun heimsuchen wird. Starke Wellen schlagend wartet er auf das Schiff, das nichts ahnend genau auf den heimtückischen Tod hinsteuert. Selbst die beiden Möwen schrecken vor dem grausigen Tod auf und fliegen vor den hohen Wellen davon. Mit einem schalkhaften Grinsen schaut er den Betrachter an und weiht ihn förmlich in sein schlimmes Vorhaben ein: die Reise der unwissenden Seemänner auf grausamer Weise ins Jenseits zu führen.