Der Tod auf dem Schiff der Auswanderer

Der Tod auf dem Schiff der Auswanderer

Ferdinand Barth
Der Tod auf dem Schiff der Auswanderer, 1866
Die Arbeit des Todes (25 Totentanzblätter), 1865, Verlag Braun & Schneider

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Wird vorgetragen von Loredana Fiorello

Der Totentanz "Die Arbeit des Todes" von Ferdinand Barth (1842–1892) ist ein weiteres Beispiel für einen an die klassische Darstellungsform der Totentänze anschließenden Bilderzyklus, der aber anstelle der gängigen Ständerevue zeitgenössische Fortbewegungsformen und Freizeitaktivitäten als möglicherweise tödlich durchdekliniert. Die Folge umfasst 25 Blätter und wurde 1866 durch den Verlag Braun & Schneider in München verlegt. Die Szenen sind als Tondo mit schlichtem Rahmen angelegt. Jeder Darstellung ist ein zweizeiliger Reim zu geordnet, in denen der Tod einladende Worte an die ahnungslosen Protagonisten im Bild richtet. Für den wissenden Betrachter bergen sie ein humoristisches Moment. Einen Ausblick auf das, was folgt, gibt die gegenständlich ausgestaltete Initiale, mit der jeder Reim beginnt.
Das vorliegende Blatt "Der Tod auf dem Schiff der Auswanderer" zeigt ein Liebespaar, das bei Nacht ein Segelschiff über einen hölzernen Steg betritt. Der Herr stützt sich mit einem Stock in der Hand ab, während er seinen anderen Arm bestärkend um die Hüfte seiner Frau legt. Mit dem nötigsten Gepäck in den Händen sind sie wohl gerade dabei, ihre alte Heimat zu verlassen und die Reise in ein anderes Land und somit in ein neues Leben anzutreten. Mit wehleidigem Blick schaut die Dame noch einmal zurück. An Bord werden sie von einer Gestalt in Anzug und Zylinder empfangen. In der einen Hand hält sie eine Liste – vermutlich um die Namen der beiden Reisenden zu überprüfen – mit der anderen bittet sie freundlich auf das Schiff. Dem Betrachter wird nicht deutlich, welches Ziel das liebende Paar anstrebt, doch eines ist gewiss: Die Reise wird wohl nicht dort enden, denn der höfliche Schiffführer ist der Tod höchst persönlich. Unterschrieben ist das Bild mit den zwei Zeilen:
„Der Wind ist gut, das Schiff bereit,
Bei dieser Fahrt geb' ich's Geleit!“
Das kleine Bild der Initiale D beschreibt bereits, wie es für die Reisenden weitergeht: Der Tod hat die Schifffahrt der Auswanderer auf dem offenen Meer enden lassen, um sie in das ewige Jenseits zu begleiten.