Der Tod als Fährmann

Franz Graf von Pocci
Der Tod als Fährmann, 1862
Aus: Folge von 12 + 1 Holzschnitten als Buch Todtentanz in Bildern und Sprüchen von Franz Pocci, München o.J. (1862)
Holzschnitt
Blatt: 27,9 x 22,7 cm, Bild: 7,4 x 12 cm

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Wird vorgetragen von Paul Roßmy

Eine weitere Totentanzfolge wurde 1862 als Buch mit dem Titel "Todtentanz in Bildern und Sprüchen" von dem Künstler Franz Graf von Pocci in München publiziert. Dieser Totentanz besteht aus 12 Holzschnitten, die allesamt den Tod als Akteur mit verschiedenen Protagonisten zeigen. Jeder dieser Holzschnitte wird von einem Vers des Künstlers begleitet, der mit Bezug auf die Bilder ein beklemmendes Gefühl auslöst. So wird beispielsweise der den Acker mit einer Sense mähende Tot von den beunruhigenden, fast frechen Zeilen begleitet:
„Ein Schnitter bin ich wohlbestellt
Und geh' zu mäh'n, wo's mir gefällt;
Mein Acker ist die Welt so weit, / Die Frucht ist reif zu jeder Zeit.“
Der Betrachter wird durch elf weitere schaurige Szenen geführt, in denen sich der Tod seine Opfer holt. Diese wiederum nehmen den Tod in ihrer Nähe nicht wahr. Die Ahnungslosigkeit der Opfer verstärkt den tragischen Moment der Darstellungen.
Das Werk "Der Tod als Fährmann" ist Teil dieses Totentanzes und zeigt ein kleines hölzernes Boot, in dem zwei Liebende sitzen, sich glücklich in die Augen schauen und den romantischen Ausflug sichtlich genießen. Sie erfreuen sich der gemeinsamen Zeit und blicken hoffnungsvoll auf eine lange Liebe. Was wäre das für ein schöner Anblick, wie sie auf dem ruhigen See treiben, die schöne Berglandschaft im Hintergrund, wenn da nicht eine weitere furchteinflößende Gestalt mit im Boot säße. Nichts ahnend legt der Mann seinen Arm um die Schultern der jungen Frau, während der arglistige Tod schon längst das Ruder übernommen hat. Die dunklen Wolken hinter den Bergen lassen einen schlimmen Sturm vermuten, der das Boot vermutlich nicht unversehrt am Ufer ankommen lässt. Dass der Tod das kleine Boot mit voller Absicht in den Sturm rudert, wird durch die sechs Verse unter dem Bild verdeutlicht:
„Der See ist spiegelklar,
Kaum säuselt die Luft im Haar;
Doch wartet nur – der Fährmann sagt's –
Dort über den Bergen schon drohend ragt's;
Bald naht der Sturm, das Steuer bricht,
Ihr glücklichen Liebenden ahn't es nicht!“

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