Der Schiffmann

Repro Holbein
Der Schiffmann (Faksimile Gilles Corozet – Doppelseite, 16. Jh.)

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Wird vorgetragen von Sarah Boudaroui

Bei diesem Werk handelt es sich um ein Faksimile des Holzschnitts "Der Schiffmann" von Hans Holbein dem Jüngeren, welcher 1538 erstmals in der als Buch erschienen Holzschnittfolge mit dem Titel "Bilder des Todes" in Lyon veröffentlicht wurde. Das Buch umfasst neben 41 von Hans Lützelburger nach Entwürfen Holbeins geschnittenen Holzschnitten auch Texte von Gilles Corozet. Seither erlebte die Totentanzfolge zahlreiche Neuauflagen. Die 41 Bilder zeigen größtenteils alltägliche Situationen, in denen der personifizierte Tod erscheint und sich seine Opfer aussucht. Es ist die erste Totentanzfolge, in der der Schiffsmann als Protagonist dargestellt und vom Tod auf hoher See heimgesucht wird.
Das Werk "Der Schiffmann" zeigt ein mit den Fluten kämpfendes Schiff auf hoher See. Die Wellen schlagen mit voller Wucht gegen das Schiff, dessen Heck bereits komplett vom Wasser bedeckt ist. An den Segeln des Schiffes erkennt man den stürmenden Wind, der so stark ist, dass schon Teile des Segels weggerissen und der Mast durchgebrochen wurden. Das vollbesetzte Schiff ragt mit der Vorderseite etwas in die Höhe. Ein Mann ist auf die vordere Spitze geklettert und streckt die Arme in die Luft, ein weiterer hat sein Bein über den Rand gehoben. Vermutlich wollen sie vor Verzweiflung von Bord in das stürmende Meer springen, in der Hoffnung, dem schlimmen Schiffsunglück so lebendig zu entkommen. Wenn man jedoch die hohen Wellen betrachtet, erlischt die Hoffnung auf ein Überleben schnell. Mit panischen Blicken, die Hände in die Luft streckend, schauen die Insassen auf die hohen Wellen, die ihnen deutlich Angst bereiten. Doch noch viel angsteinflößender ist die sklettartige Gestalt, die den gebrochenen Mast zusammenhält und das Schiff so vor dem Untergehen bewahrt. Es wird jedoch nicht mehr lange dauern, bis die Gestalt den Mast loslässt und das Schiff seinem Schicksal überlässt. Es ist nämlich der Tod, der sich noch eine Weile an der Todesfurcht der Passagiere erfreut, bevor er sie in die Tiefen des Meeres schickt. Das Bild wird von einem Bibelzitat (1. Timotheus 6,9) und einem Epigramm von Georg Oemler begleitet, welche auf das Gewinnstreben hinweisen, welches die Menschen zu unvernünftigen Taten führt und ihnen viel Leid bereitet. So spielt es leider auch in der Seefahrt eine nicht gering zu schätzende Rolle.

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