Der Lotse

Der Lotse

Hans Gabriel Jentzsch
Der Lotse, 1904
Folge von 18 Holzschnitten Ein neuer Totentanz in achtzehn Bildern, J.H.W. Dietz Nachfolger, Stuttgart o.J. (1904)
Holzschnitt
Blatt: 31,7 x 23 cm, Bild: 16 x 12 cm

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Wird vorgetragen von Katrin Schröder

Hans Gabriel Jentzsch erstellte 1904 eine Folge von 18 Holzschnitten, die er unter den Titel "Ein neuer Totentanz in achtzehn Bildern" in Stuttgart veröffentlichte. Er schließt an die traditionellen Totentanzdarstellungen an und erweitert das klassische Personal um für seine Zeit typische Berufsstände oder Freizeitaktivitäten wie beispielsweise der Schlittschuhbahnwärter, Fahrradhändler, Bergführer, Akrobat oder Autofahrer. Die Auswahl der Personen in Jentzschs Totentanz zeigt kein bestimmtes Ordnungsprinzip und auch kein Streben nach einer allumfaßenden Gesellschaftsrevue, wie dies in den alten Totentänzen der Fall war. Es sind vielmehr unrepräsentative Berufe, von denen einige scheinbar eine besonders enge Beziehung zum Tod oder aber ein erhöhtes Potential an tödlichen Gefahren implizieren. In einigen Bildern offenbart sich die kritische Einstellung zu gesellschaftlichen Mißständen und zum Elend der untersten sozialen Schichten in der Ära der industriellen Revolution.
Auf dem Werk "Der Lotse" läuft das Schiff mit dem Namen Maria 13 aus dem Hafen in die weite Ferne aus. Die Besatzung ist bereit für die lange Reise und noch mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt, bevor sie länger an keinem Hafen mehr anlegen werden. Ihr Ziel bleibt unbekannt, doch wird das offene Meer ihr Weg dorthin sein. Nichts ahnend bringen sie das Schiff in Bewegung, machen das Segel bereit und sind voller Zuversicht, ihren Arbeitsauftrag erfolgreich zu erledigen. Ungewissheit und Aufregung wird wohl bei jeder Abfahrt die Schiffer und ihre Zurückgebliebenen begleiten. Doch was den Schiffern ungewiss bleibt, wird dem Betrachter in diesem Bild schnell deutlich. Der Lotse, der das Schiff sicher aus dem Hafen leiten soll, ist niemand Geringeres als der Tod, der die Besatzung zum Hafen der Ewigkeit leiten will. Mit seiner langjährigen praktischen Erfahrung weiß der Tod wohl am besten, wann das Wetter für eine solche Reise am geeignetsten ist. Der starke Wind und die tobenden Wellen werden das Schiff ins Jenseits führen.
„Fahrt zu, der Wind ist gut“, ruft er der Bestatzung hinterher.