Death Turned Pilot

Thomas Rowlandson
Death Turned Pilot, 1815
Aus: The English Dance of Death in Twenty-four Monthly Numbers, from the Designs of Thomas Rowlandson, accompanied with Metrical Illustrations, by the Author of ‘Doctor Syntax’ […] London: Printed by J. Diggens, St. Ann's Lane; Published at R. Ackermann's Repository of Arts […], 1815
Aquatintaradierung, koloriert
11,5 x 20,2 cm

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Wird vorgetragen von Timo Heimerdinger

Der englische Karikaturist Thomas Rowlandson (1756–1827) erstellte eine thematisch, traditionelle Totentanzserie mit 72 kolorierten Aquatintadarstellungen, die den Titel "The English Dance of Death" trägt. Die Darstellungen wurden zwischen 1814 und 1816 nacheinander bei Rudolf Ackermanns "Repository of Arts" in London und im Jahr 1817 schließlich in zwei Bänden zusammengefügt und publiziert. Seine humorvollen und spielerisch gestalteten Werke werden jeweils von passenden Versen des Schriftstellers William Combe (1741–1823) begleitet. Der Tod sucht sich in Rowlandsons Werken scheinbar willkürlich Menschen aus, denen er größtenteils in alltäglichsten Lebenssituationen begegnet. Egal ob die Dame im Lotteriegeschäft, die Köchinnen in der Küche, der Astronom beim Nachgehen seiner Leidenschaft oder der strengen Lehrer im Klassenzimmer – ihnen allen steht der Tod gegenüber und holt sich mit freudigem Gesichtsausdruck seine Opfer.
Das Werk "Death turned Pilot" zeigt eine dramatische Szene in einem kleinen Holzboot inmitten stürmischer Wellen. Sofort fallen die beängstigten und verzweifelten Blicke der Besatzung ins Auge. Sie fürchten den Tod und tun alles Menschenmögliche, um diesem lebendig zu entkommen aber leider ist für einige der Kampf ums Überleben jetzt schon verloren. Neben dem Boot recken sich nur noch zwei Arme aus dem Wasser, ein weiterer Mann wird gerade von den tobenden Wellen in die Tiefe des Meers gezogen und eine Frau greift mit ganzem Körpereinsatz nach ihrem Kind, das bereits aus dem engen Boot gefallen ist. Während sich das schlimme Ereignis im Vordergrund des Bilds abspielt, sieht man im Hintergrund zwei Schiffe, die schon fast vollständig im Meer verschwunden sind. Man kann davon ausgehen, dass den Besatzungen der untergehenden Schiffe ähnlich schlimme Schicksale widerfahren sind wie den Menschen im kleinen hölzernen Boot. Mitten in dieser äußerst dramatischen Szene kommt der Blick des Betrachters nicht um den skelettartigen Insassen des Holzboots herum. Im schunkelnden Boot sitzt er, die restlichen Insassen überragend, mit einem schaurigen Lächeln im Gesicht am Ruder. Sich am Leid der Menschen erfreuend hält der Tod eine Sanduhr empor und zeigt seinen Passagieren, dass ihre Hoffnung auf ein Überleben mit jedem fallenden Sandkorn schrumpft. Hilflos können die Überlebenden zuschauen, wie ihre Zeit verrinnt. Ihr trauriges Schicksal wird durch den dazugehörigen Zweizeiler von William Combe unter der Darstellung nochmals verdeutlicht:
„The fatal Pilot grasps the Helm,
And steers the Crew to Pluto's Realm.“

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