Allegorie auf den Tod und die Erlösung

Unbekannter Künstler
Allegorie auf den Tod und die Erlösung, 16./17. Jh.
Kupferstich
9,1 x 11,6 cm (beschnitten)

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Wird vorgetragen von Melina Settele

Der Kupferstich "Allegorie auf den Tod und die Erlösung" wurde im 16. oder 17. Jahrhundert von einem Monogrammisten erstellt. Das Werk ist voller grausiger Ungeheuer, die allesamt auf den Seefahrer in seinem kleinen hölzernen Boot blicken. Ein seltsam aussehender Fisch ragt mit Kopf und Hinterflosse über die Meeresoberfläche, aus den beiden Löchern, die an einen Wal erinnern, spritzt Wasser zum Seefahrer hin. Der schaurige Tod steht weiter vorne im Meer, mit Pfeil und Bogen zielt er direkt auf den Mann im Boot. Davor schwimmt eine Sirene auf der Meeresoberfläche, der menschliche Oberkörper endet mit einem anormalen Skorpionenschwanz und am Mund hält sie ein Muschelhorn. Ganz im Vordergrund ragt eine giftige Schlange aus dem Wasser, daneben taucht ein Pferd aus dem Meer hervor, das mit hungrigem Blick und langen, spitzen Krallen an Bord des kleinen Bootes will. Ob der riesige Fisch mit seinen starken Wasserfontänen, der Tod mit seinen spitzen Pfeilen, die Sirene mit ihrer verlockenden Todesmusik, die Schlange, die den Seefahrer, wie einst Eva, zur Sünde und Verführung lockt oder das auf Menschenfleisch begierige Pferd – sie alle wollen den armen Seemann durch eine schreckliche Reise in den sicheren Tod führen. In der rechten oberen Ecke bläst ein Gesicht starken Wind über die beinahe höllisch wirkende Szene. Von dem stürmenden Wind und den fürchterlichen Gestalten unbeirrt kniet der Mann in seinem Boot und hält seine zum Gebet gefalteten Hände Richtung Himmel. Fest vom Glauben überzeugt betet er zu Christus, der durch die Seeungeheuer vom Mann getrennt auf einem Felsen erscheint. Er steht auf weiteren Meeresungeheuern, die ihm offenbar keine Angst bereiten. Über ihm fliegt die Taube des Heiligen Geistes, von der eine Aureole ausgeht, die Christus umfasst. Mit den Wunden der Kreuzigung an den Händen streckt er seinen Linken Arm zum Seefahrer und richtet seinen Blick zu ihm. Ferner im Hintergrund steht ein Mann auf einem weiteren Felsen, mit zwei Hörn ern auf dem Kopf zeigt er zwei beschriebene Tafel zum Seemann hin, hinter ihm ist eine Art Stadt oder Burg errichtet. Es ist Moses auf dem Berg Sinai, dem aus dem göttlichen Horn aus dem Himmel erscheinend die zehn Gebote vorgetragen werden.
Die gefährliche Seereise des Mannes im kleinen Boot kann hier als Lebensreise gedeutet werden, die durch viele Gefahren und Verführungen führt, bis man zum sicheren Hafen, hier dargestellt durch Christus auf dem Felsen, gelangt. Das Gesetz, dargestellt durch Moses, kann einem auf Erden vielleicht etwas Schutz bieten, der Weg zum himmlischen Ziel kann jedoch nur durch den wahren Glauben erreicht werden.

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