Seemann

Das Werk 'Seemann' von 1911 ist ein Lichtdruck und Teil der Erweiterung des Zyklus 'Ein Totentanz des Berliner Künstlers Hans Meyer' (1846–1919), der erstmals 1890 ausgestellt wurde. Abweichend von dem Figurenkanon mittelalterlicher Totentänze, führt Meyer zeitgenössische Personengruppen vor, die vom Tod heimgesucht werden. Das kleine Schiff hat es mit starken Winden und hohen Wellen zu tun. Der ganzen Komposition liegt ein fließendes Oval zu Grunde, das den Tod – nahezu in der Bildmitte – umkreist. Rechts unten schlagen die Wellen empor, der Bug hebt sich, so dass wir in das Innere des Schiffs blicken können. Meyers Bildkomposition ist fließend: Von dem rufenden und mit der Friedes-Fahne wedelnden Seemann rechts im Bild aus wird der Blick des Betrachters über den unter der Flagge sitzenden Schiffer weiter nach links hoch zu dem sich an den Mast klammernden Mann geleitet. Hier fließt die Bewegung in das wehende Segel, das den Körper des Tods umspannt. Die brausenden Wellen links im Bild nehmen diese Bewegung auf und rahmen das Schiffsheck. Der Steuermann links im Bild lehnt sich mit seinem vollen Gewicht nach hinten und wirkt entschlossen, das Schiff weiter auf Kurs zu halten. Doch die Situation scheint aussichtslos.

Seemann