Die Minen

Die Minen

Melchior Grossek
Die Minen, 1923
Folge von 15 Drucken nach Scherenschnitten Gestalten des Todes. Ein Totentanz des Weltkrieges von Melchior Grossek, Kurt Schroeder, Bonn und Leipzig
Drucke nach Scherenschnitten

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Wird vorgetragen von Christa Reißmann

Gleich vieler Zeitgenossen hat auch Melchior Grossek die Erfahrung des ersten Weltkriegs in einem Totentanzzyklus verarbeitet. Es war vor allem die persönliche Betroffenheit, der Schmerz um den Verlust seiner im Krieg gefallenen Brüder, die ihn dazu veranlaßten. Die Mappe enthält die Drucke der ersten fünfzehn Blätter des insgesamt 45 Scherenschnitte umfassenden Totentanzes, der in drei Teilen veröffentlicht werden sollte, von dem allerdings nur der erste Teil an die Öffentlichkeit gelang.
Die Reihe seiner symbolhaft-visionären Bilder entspricht dem folgerichtigen Ablauf im Kriegsgeschehen. Im ersten Blatt sitzt der Tod auf einer Kanone und spielt zum beginnenden Kriegstotentanz auf, im zweiten Blatt rüstet er sich für die "Ernte", indem er seine Waffe, die Sense, schmiedet. Im vorletzten Blatt bringt er den Menschen die Siegesbotschaft und im letzten Blatt erscheint er in der Kampfpause nach dem errungenen Sieg, seine Sense wie ein Bauer mit einem Wetzstein schleifend. Diese bereits im 19. Jahrhundert auftauchende Bildidee bzw. Auffassung des Krieges als „Arbeit des Todes“ liegt auch den anderen Blättern zugrunde, die gleicherweise verschiedene Aspekte des Krieges und der Tötungsmaschinerie mit der alten Todes- und Totentanzsymbolik assoziieren. In der traditionellen Personifikation des agierenden Gerippes verkörpert der Tod immer die bestimmende Macht, tritt dementsprechend am häufigsten als übergroße Figur auf, wobei er sich wie ein Riese über die winzigen Gestalten der Menschen und die wie Spielzeug wirkenden Kriegsschiffe oder Flugzeuge erhebt. Unverkennbar ist hier der Versuch, die Totalität des Krieges bzw. die vielfältigen Gestalten des Todes zu erfassen und zugleich die Allegorisierung des Kriegs daseinsumschreibend mit der tradierten Auffassung des Todes als übergeordnete Macht zu verbinden.
Das Werk "Die Minen" zeigt ein großes Dampfschiff auf dem ruhigen Meer. Im Hintergrund sind die Silhouetten eines Ufers mit Leuchtturm zu sehen. Der Himmel erscheint wolkenfrei, nur der Dampf des Schiffs liegt in der Luft, es ist die sognannte Ruhe vorm dem Sturm. Denn der übergroße Tod beugt sich zum dem Boot herab, greift hinein und lenkt es direkt auf die drei tödlichen Minen im Wasser zu.