Die Minen

Die Minen

Melchior Grossek
Die Minen, 1923
Folge von 15 Drucken nach Scherenschnitten Gestalten des Todes. Ein Totentanz des Weltkrieges von Melchior Grossek, Kurt Schroeder, Bonn und Leipzig
Drucke nach Scherenschnitten

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Wird vorgetragen von Christa Reißmann

Wie viele seiner Zeitgenossen hat auch Melchior Grossek (1889–1967) die Erfahrung des Ersten Weltkrieges in einem Totentanzzyklus verarbeitet, doch war es vor allem der Schmerz um den Verlust seiner im Krieg gefallenen Brüder, der ihn dazu veranlasste. Die bereits im 19. Jahrhundert auftauchende Bildidee beziehungsweise Auffassung des Krieges als 'Arbeit des Todes' liegt allen seinen Blättern zugrunde, die gleicherweise verschiedene Aspekte des Krieges und der Tötungsmaschinerie mit der alten Todes- und Totentanzsymbolik assoziieren. In der traditionellen Personifikation des agierenden Gerippes verkörpert der Tod immer die bestimmende Macht, tritt häufig als übergroße Figur auf. Unverkennbar ist der Versuch, die Totalität des Krieges zu erfassen und zugleich die Allegorisierung des Krieges mit der tradierten Auffassung des Todes als übergeordnete Macht zu verbinden. Das Werk 'Die Minen' zeigt ein großes Dampfschiff auf ruhigem Meer. Im Hintergrund sind die Silhouetten eines Ufers mit Leuchtturm zu sehen. Der Himmel erscheint wolkenfrei, nur der Rauch des Schiffs liegt in der Luft, es ist die sogenannte Ruhe vor dem Sturm. Denn der übergroße Tod beugt sich zu dem Boot herab, greift hinein und lenkt es direkt auf die drei tödlichen Minen im Wasser zu.